Der runde Bau

Der Kreis hilft uns, an Wankan Tanka zu denken, der wie der Kreis kein Ende hat.

(Hehaka Sapa, Black Elk)

Grundriss des Seminarraums

Die Symbolik des Kreises

 

Die Menschen beschäftigen sich seit jeher intensiv mit der faszinierenden Form des Kreises. In jeder Religion und Kultur wird dem Kreis eine besondere Bedeutung zugetragen. Der Kreis ist das Sinnbilddes All-Eins, der Einheit, des Vollkommen und Ewigen und damit des Göttlichen (Wankan Tanka- Lakotasprache). Er steht für die gottgeordnete Welt.  Als unendliche Linie ist er Symbol der Unendlichkeit und, in der Gestalt einer Schlange (Uroborus), die sich in den Schwanz beißt, der Wiederkehr.

Eine Darstellung der Kurukulle, der roten Tara, im Kreis - aus dem tibetisch buddhistischen Kontext

Diese Bedeutungen des Kreises finden sich auch in den verschiedenen spirituellen und religiösen Symboliken wider und basiren im Grunde auf den Natureligionen, dem Wissen der indigenen Völker. Sonne und der volle Mond werden von uns als Kreis wahrgenommen. Sie symbolisieren das kosmische und das weibliche und männliche Prinzip. Auch die Erde wurde ursprünglich als kreisförmige Scheibe wahrgenommen. Sie symbolosiert den Ursprung allen Lebens.

Im Zen-Buddhismus symbolisierenKreise die höchste Stufe der Erleuchtung, die Harmonie aller geistigen Kräfte. "Enso", so wörtlich aus dem Japanischen übersetzt, heisst Kreis/Kreisform, durch die innere Sammlung und seelisches Gleichgewicht verbildlicht werden soll. Das Malen des Kreises ist ein Übungsweg um zur "Erleuchtung" zu gelangen.

Im tibetischen Buddhismus gibt es das Rad des Lebens als Symbol für den Kreislauf des Lebens, für Wiedergeburt und Kosmos. Das Mandala, Sanskrit für Kreis/ Zentrum, symbolisiert hier die physische und spirituelle Einheit. 

In der Indianischen Weisheitslehre gibt es das Medizinrad als grundlegendes Symbol der indianischen Spiritualität, das ebenfalls den Kosmos mit seiner gesamten Schöpfung symbolisiert.

In der christlichen Tradition ist z.B. der Heiligenschein rund.  Und christliche Rosetten in der Verzierung und Gestaltung beschreiben mit ihren geometrischen Mustern das Streben des Menschen nach Ganzheit und Einssein und die Verwirklichung dieser Sehnsucht.

 

Der Kreis ist auch das Symbol der Zeit, wegen der Bahn, die die Sonne macht. In Mexiko sagte man „Kalenderscheibe“. Goethe benutze den Farbkreis um die Harmonie zwischen Farben zu verdeutlichen. Leonardo Da Vinci verwendete den Kreis, um die Vollkommenheit des menschlichen Körpers zu zeigen. Es gibt den Blutkreislauf und den Kreislauf des Recyclings. Und wir wachsen im Kreis der Familie auf....

 

Der Kreis in der Natur

 

Überall in der Natur begegnet uns der Kreis in vielen Formen und gestalten. In Queerschnitt betrachtet ist die Erde rund, wie alle anderen Planeten auch. Die Früchte und Beeren sind im rund, Äpfel, Orangen, Kirschen und die Kastaniem z.B.. Blüten sind rund in ihrerer Form insbesondere in den Blütenmitten finden wir wunderschöne Kreisgestaltungen. Die Augen der Menschen und der meistenTiere haben eine kreisförmige Pupille.  Die weibliche Brust ist ein zweidimensional gesehen ein Kreis und der Bauch der Schwageren im Grunde auch. Viele Naturphänomene, bis hinein in kosmische und atomare Strukturen, sind dem geometrischen Aufbau nach von Kreisen und Kreis-Strukturen beherrscht. Die Wege der Planeten sind kreisförmig der Kreis in der Dynamik als Spirale findet sich in der DNA und in atomaten Strukturen wider, ebenso wir im Wirbelsturm oder wenn wir einen Stein ins Wasser werdfen und kreisförmige kleine Wellen entstehen.

 

Der Kreis im Bauen

 

Die kreisrunde Form galt als Abbild für die Erde und das Weltall. Sie stand für die gottgeordnete Welt, weshalb die Gebäude in den alten Völkern kreisrund gebaut wurden .Runde Häuser aus Lehm und stroh wurden von indigenen Völkern gebaut und sind dort bis heute Tradition. In der Antike wurde Theater und Tempel rund gebaut, ebenso wie später sakrale Bauten wie Kathedralen und Kapellen. Die Kuppel,  als gewölbter oberer Teil eines Gebäudes, wird als Erweiterung des Kreises in Form einer Halbkugel gesehen und als Hinweis auf die Himmelskuppel.

Ein Beispiel für rundes Bauen ist Tulou. Hier wurden traditionelle kreisrunde chinesische Häuser von der Hakka-Volksgruppe in Südostchina seit dem 12. Jahrhundert gebaut. Sie stehen bis heute.

Ebenso sind die mongolischen Jurten kreisförmig. Sie sind entweder für nomadisches leben gedacht oder aber stehen auch als feste Bauten.

Im tibetischen Buddhismus werden die Stupas rund gebaut. Sie sind ein Bauwerke, welche die Lehre Buddhas und den kosmischen Bauplan symbolisieren. Oft werden im Innern einer Stupa Reliquien aufbewahrt. Die Stupa wird von Buddhisten rituell im Uhrzeigersinn umkreist.

 

Warum wir rund bauen

 

Vieles über die Symbolik des Kreises ist hier geschrieben. All das haben wir allerdings in Nachhinein gefunden. Die Entscheidung, rund zu bauen wurde vorher getroffen. Ein Grund dafür ist, dass wir durch unsere Begegnungen in der Jurte, durch die Gesprächsrunden dort, die Rituale und Seminare, die dort stattgefunden haben, festellten, dass die Athmosphäre eine der Verbundenheit ist. Alle sehen sich, alle sitzen im gleichen Abstand zur Wand. Jeder hat die gleichen Voraussetzungen, die Geborgenheit des Raumes zu spüren. Ein Gefühl der Harmonie kann hier entstehen und auch das Gefühl des All-eins-seins. Das sind die besten räumlichen Voraussetzungen, mit einander in Kontakt zu kommen, sich als Gemeinschaft wahrzunehmen, in der jeder willkommen ist. Manchmal kamen Vergleiche von Teilnehmern mit der Gebärmutter.

 

Ein weiterer Aspekt ist,  wie sich die runde Form in das natürliche Umfeld eingliedert. Alles drum herum kann fliessen. Es wird nichts blockiert, es gibt keine Ecke, die "aneckt".

 

 

Quellen:

http://basics.designismakingsense.de/contentuploads/wa_kreis_willem_shao.pdf

http://www.thoth-adan.com/de/beitrag/der-kreis-des-lebens.html

 wikipedia

 

Eine erfahrung mit dem Kreis in einer Aufstellung

Und guten Morgen ihr lieben! Ich hatte gestern nachdem ich mich den halben Tag mit dem Thema Kreis und runde Bauten beschäftigt habe, abends zu einer Aufstellung zu einem kollektiven Thema eingeladen. 18 Leute waren da. Als Thema haben wir nach einer Sammlung von Vorschlägen: Ohnmacht und Selbstermachtigung in Bezug zu ökologischen Themen und der gesellschaftlichen und politischen Entwicklung. Wir hatte Aspekte wie die Liebe, das Vertrauen, die Kontrolle, die Demokratie, das Menschsein, die ursprünglichen menschlichen Grundwerte von Humanität, den Gruppenzwang, den Schutz der Minderheiten usw. Drin. Es war total spannend, was passiert ist. Zwischendurch schien es, dass wir das Chaos nicht fassen können. Die Demokratie war ganz schwach und verschiedenene Aspekte haben versucht, sie zu manipulieren für ihre Zwecke. Ich bin dann für den Aspekt rein gegangen, der statt der Demokratie eine Lösung bringen kann. Ich wusste überhaupt nicht, was das sein kann. Hab es einfach energetisch aufgenommen, was da kommt. Und was kam war der Kreis. Alle standen schon irgendwie im Kreis und so wurde es bewusst. Ein Kreis, in dem jeder sein kann, jeder sprechen kann, sich zeigen kann. Ein Kreis auf Augenhöhe und mit gegenseitigem Respekt und mit dem Wissen, jeder, der da sitzt verkörpert auch einen Anteil von mir, von jedem der da sitzt. Das war so tief berührend. Wir sassen lange, weil es so schön war miteinander, so friedlich und angekommen.... Ich bin noch immer ganz geflasht. Die Entscheidung den neuen Raum rund zu bauen haben wir eher intuitiv getroffen. Jetzt weiss ich warum er rund wird. Es war, als ob wir das Neue, das mit der erhöhten Energie kommen wird, gekostet haben... Ich hoffe, ich kann ein wenig weitergeben, was mich beschäftigt und glücklich macht :-) Danke an alle euch!!!

Foto: Anke Großklaß - Selbstliebeseminar 2016
Foto: Anke Großklaß - Selbstliebeseminar 2016

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